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Dresden: Blockierer stärker als Marschierer

Erfolgreiche Blockade gegen den geplanten Aufmarsch der Neo-Nazis am 13. Februar 2010 in Dresden

Um kurz nach 17 Uhr war der Spuk vorbei: Der Agitator auf der Neonazi-Bühne vor dem Bahnhof Dresden-Neustadt hatte noch dazu aufgerufen, zum Abschluss der Kundgebung das Deutschlandlied zu singen – aber mit allen drei Strophen. Doch das Ergebnis war kläglich: Seine 4000-5000 braunen Gesinnungsgenossen erwiesen sich als wenig textfest – über die Zeile „Deutschland, Deutschland über alles“ kamen sie nicht hinaus … Und so trotteten sie frustriert in das Bahnhofsgebäude, brav der Aufforderung der Polizei gehorchend: „Hier spricht die Polizei. Der Abmarsch erfolgt ausschließlich durch den Bahnhof in bereitgestellte Züge. Es ist 16 Uhr 58. Dies ist die letzte Durchsage.“ Der geplante Aufmarsch der Rechtsextremisten war damit endgültig gescheitert. Nach zehn Jahren mit immer größerer werdenden Kundgebungen der Rechtsextremisten, die das Gedenken der Stadt an die Zerstörung von Dresden am 13. Februar 1945 missbrauchen, war damit erstmals die Taktik der Demokraten und Zivilcouragierten erfolgreich – wahrlich ein Grund zur Freude!

Eine kurze Chronologie der Ereignisse:

10 Uhr: In der Dresdner Synagoge findet der Schabbat-Gottesdienst statt, außen wird streng kontrolliert. Die Brücke über die Elbe, die von der Altstadt in die Neustadt führt, ist komplett gesperrt.

10.45 Uhr: Auf dem Albertplatz in der Dresdner-Neustadt haben sich bereits 2000 Menschen getroffen, um den Aufmarsch der Neo-Nazis zu verhindern. Unterstützung ist auch aus Polen angereist.

11.00 Bahnhof Neustadt: Alle Zufahrtswege sind blockiert.

11.00 Uhr Bahnhof Neustadt: Nichts geht mehr ...

11.30 Uhr Bahnhof Neustadt: Stundenlanges Sitzen und Stehen bei Minus-Temperaturen - Respekt!

12.15: Vor 15 Minuten hätte auf dem Schlesischen Platz vor dem Bahnhof Neustadt die Kundgebung der Neo-Nazis beginnen sollen. Das Scheitern ihres groß angekündigten Marsches deutet sich schon an ...

13.30 Uhr: Auf der Königsbrücker Straße in der Neustadt kommt es zu ersten Auseinandersetzungen zwischen einigen wenigen Autonomen und einigen wenigen Polizisten. Wer angefangen hat - darüber gibt's unterschiedliche Versionen. Das Katz-und-Maus-Spiel ist bald vorbei.

Vielleicht gibt dieses Video, das auf der Homepage der Basler Zeitung steht, eine Antwort …

14 Uhr: Die Neo-Nazis haben doch noch einen Weg gefunden. Über den Dammweg, einer schmalen, dunklen Gasse marschieren sie zum Bahnhof Neustadt. Die Polizei hatte sich plötzlich und unerwartet zurückgezogen, und so befand man sich ebenso plötzlich und unerwartet im direkten Kontakt mit äußerst unangenehmen Zeitgenossen. „Wir kriegen euch!“, gröhlten sie mit Drohgebärden - aber wir waren schneller ...

14.15 Uhr Dammweg: Neo-Nazis auf dem Weg zu ihrer Kundgebung – mit über zwei Stunden Verspätung.

14.20 Uhr Dammweg, Dresdner Neustadt.

14.30 Uhr: Der Zug der Neo-Nazis nimmt kein Ende. Offensichtlich haben sie es doch geschafft - Ernüchterung und Enttäuschung. Ein Anwohner, der vor einem Hauseingang „Nazis raus!“ skandiert, wird umgehend von vier Polizisten weggeführt – selbstverständlich zu seinem Schutz ...

14.45 Uhr: Inzwischen sind immer mehr Neo-Nazis am Schlesischen Platz eingetroffen und bringen sich und ihre Plakate in Positur.

15 Uhr: Abmarschbereit, doch es geschieht nichts ... Die Polizei hat soeben verkündet, dass sie nicht für die Sicherheit der Kundgebungsteilnehmer garantieren könne.

15 Uhr: Am Schlesischen Platz ist lauter Jubel zu hören - die Nachricht ist gleich an den Blockaden verkündet worden. Dort haben sich inzwischen über 10.000 versammelt. Sehr erfreulich: Blockierer und Polizisten haben sich mittlerweile offensichtlich solidarisiert.

16 Uhr: Es wird aggressiv auf dem Schlesischen Platz: Die Neo-Nazis werfen mit Böllern, Flaschen und Stöcken auf Polizisten und Presse. Man hört das Horst-Wessel-Lied: „Die Reihen fest geschlossen ... SA marschiert ..."

16.30 Uhr: Frustrierte Neo-Nazis starten einen Ausbruchsversuch. Doch keine Chance - die Polizei ist stärker. In dieser Situation wirklich Freund und Helfer ...

16.45 Uhr: Wut und Resignation bei den Neo-Nazis. Mittlerweile hat auch der Dümmste unter ihnen kapiert: Das wird nix mehr! Es kommen noch ein paar unappetitliche Hetzreden und martialische Sprüche von der Bühne, dann ist Ende der Durchsage.

Auf der Heimreise haben die Nazis ihrem Frust freien Lauf gelassen: in Pirna und Gera zum Beispiel. Es bleibt also weiterhin viel zu tun
UvS

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Meine Stimme gegen Nazis

http://www.meine-stimme-gegen-nazis.de/upload/11/m-s-g-n-banner.gif

Am 30. August wird in Sachsen gewählt, am 27. September finden die Bundestagswahlen statt. Ich möchte auch kommenden Generationen noch in die Augen schauen und nicht auf die Frage „warum hast du damals nichts getan?“ beschämt und schweigend zu Boden blicken.

Deutsche Rechtsextremisten und Nationalsozialisten haben schon genug Unheil angerichtet – wir sollten zeigen, dass in Deutschland für menschenverachtendes und antisemitisches Gedankengut kein Platz ist. Deshalb wähle ich eine demokratische Partei und unterstütze die Aktion Meine Stimme gegen Nazis!

m-s-g-n-logo-800Beste Grüße
UvS

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Marsz tolerancji – Marsch der Toleranz

Rund 500 Lesben, Schwule und Heteros haben heute in Krakau für mehr Toleranz demonstriert (Fotos 1-3) – nichts Besonderes und eigentlich keine News. Wären da nicht die Krakauer Nationalkatholiken, Faschisten und Skinheads (Fotos 5-13). Mit der Toleranz dieser Allianz ist es nämlich nicht weit her: Familie und Vaterland mussten gegen die „Barbarei der Homosexualität“ verteidigt werden – mit Eiern und Tomaten, Plakaten und Parolen für den Schutz der Familie und des polnischen Vaterlandes. Ein hochgerüstetes Polizeiaufgebot (Foto 4) war auch zur Stelle – im Gegensatz zu Moskau heute, wo eine Spezialeinheit der Polizei eine Schwulen-Demo gewaltsam auflöste, haben die Krakauer Gesetzeshüter erfreulicherweise die Teilnehmer der Toleranz-Demonstration geschützt und laut Medienberichten 15 homophobe Krakeeler und Randalierer vorläufig festgenommen. Anders als in den Vorjahren benutzen die Familien- und Vaterlandsverteidiger diesmal allerdings keine Steine, um ihre Gesinnung zu unterstreichen.
Auf dem Plakat des zweiten Fotos steht übrigens ein Bibelvers: Glaube, Liebe, Hoffnung – und die größte unter ihnen ist die Liebe (1. Brief des Apostels Paulus an die Korinther, Kapitel 13, Vers 13).

Ein paar optische Eindrücke:

Marsch der Toleranz, Krakau, 16.05.09

Marsch der Toleranz, Krakau, 16.05.09

Marsch der Toleranz, Krakau

Marsch der Toleranz, Krakau, 16.05.09

Marsch der Toleranz, Krakau, 16.05.09

Marsch der Toleranz, KrakauMarsch der Tolernz, Krakau

Marsch der Toleranz, Krakau

Marsch der Toleranz, Krakau

Marsch der Toleranz, Krakau

Marsch der Toleranz, Krakau

Marsch der Toleranz, Krakau

Marsch der Toleranz, Krakau

Ja, wie man sieht: Die Hüter von Moral und Glauben, die Schützer der Familie und die Verteidiger des Vaterlandes sind äußerst angenehme Zeitgenossen, denen man gerne seine Kinder zur Erziehung anvertraut. Und die Europaflagge zu verbrennen – das macht doch richtig Spaß! Immerhin sind die polnischen Faschos noch als solche zu erkennen und verstecken sich nicht wie in Deutschland hinter Anzug und Krawatte oder schwarzen Kapuzenjacken.

Welche Karriere polnische Rechtsextremisten machen können und welches Erbe die Kaczyński-Brüder hinterlassen haben, zeigt das Beispiel des öffentlich-rechtlichen Fernsehens TVP in Polen: Der Chef heißt Piotr Farfał und ist ein ausgewiesener Antisemit und „Ex-Neonazi“ (das darf mit Erlaubnis der Gerichte geschrieben werden), der früher gerne die Hand zum Hitler-Gruß hob – ein kurzes Porträt hier. Dass es aber auch erfreulich viele couragierte Demokraten gibt, die dagegen protestieren, stimmt optimistisch: hier ein Hintergrundbericht des Deutschlandfunks.

Do zobaczenia
UvS

PS: Der erste und zweite Satz des zweiten Absatzes waren ironisch gemeint.

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Polizei entfernt wieder Israel-Fahne – sie war „eine Provokation für die Nazis“

Ob es nun 6.000 Neonazis waren oder 8.000, die am 13. und 14. Februar nach Dresden gekommen waren – der Skandal ist, dass sie überhaupt da waren und ungehindert durch die Straßen marschieren konnten. Es war der größte Aufmarsch von Neonazis und Rechtsextremisten in Deutschland seit Ende des Zweiten Weltkriegs und dem Untergang des Dritten Reiches. Niemals zuvor in der Geschichte der Bundesrepublik befanden sich so viele Neonazis an einem Ort.

Eindruck einer polnischen Beobachterin: „Die Polizei schützt die Nazis!“ Sie musste sich zudem von Dresdner Passanten belehren lassen, wer den Zweiten Weltkrieg begonnen hat: Es waren – die Polen!

Ebenso unglaublich, aber wahr ist auch folgende Szene: Am 14. Februar um 14.20 Uhr wurden am Külzring/Ecke Seestraße Demonstranten, die den Aufmarsch der Neonazis mit einer Israel-Fahne beobachteten, von der Polizei mitsamt Fahne entfernt. Ein Polizeisprecher, darauf angesprochen, sagte zur Begründung: „Die Israel-Fahne war eine Provokation für die Nazis.“

Polizeieinsatz in Dresden, 14.2.09 Das Corpus Delicti wird entfernt.

Unfassbar, dass sich die Neonazis und Rechtsextremisten stundenlang ungestört durch Dresden bewegen durften!

Neonazis Dresden, 14.02.09 Am Dresdner Hauptbahnhof …

Neonazis Dresden, 14.02.09 … waren offensichtlich auch Kameraden aus Bayern.

img_19691 Dresden – offen für Nazis aller Couleur!

Neonazis in Dresden, 14.2.09 Bekenntnistreu vom Scheitel bis zum Stiefelschaft.

Neonazis Dresden, 14.2.09 Die NPD-Prominenz aus Sachsen und sonstwo. Sachsens NPD-Chef Holger Apfel (2. von rechts in der ersten Reihe) bezeichnete in seiner Rede am Hauptbahnhof den Bombenangriff auf Dresden im Februar 1945 als „einzigartigen Holocaust am deutschen Volk“. Deutsche Opfer würden „zunehmend zu Tätern degradiert“. Und die Unterdrückung trage einen Namen: die USA und Israel, das „Terrorregime an der amerikanischen Ostküste“. Geschichtsverfälschung pur, aber sie fällt offensichtlich auf fruchtbaren Boden …

Gespenstisch-Gruseliges war am Freitagabend zu sehen und zu hören: Über tausend schwarz gekleidete und zum Teil vermummte Gestalten (gab es nicht mal ein Vermummungsverbot?) beim Fackelmarsch, pathetische Wagner-Musik in ohrenbetäubender Lautstärke. Dass bei diesem Marsch der Fotograf zwei Mal mit brennenden Fackeln angegriffen wurde, ohne dass die Polizei eingriff, ist schon nur noch eine Randnotiz.

Nazi-Aufmarsch in Dresden 13.02.09 Während der Presseausweis des Beobachters vom Polizeibeamten sogleich fotografiert wurde, konnten die Neonazis ohne Kontrolle am Dresdner Hauptbahnhof anreisen – zum Beispiel mit dem Regionalzug aus Leipzig um 17.41 Uhr.

Neonazi-Aufmarsch in Dresden am 13.02.09 Kurz vor dem Abmarsch des Fackelzugs – ungefähr 1200 Neonazis nehmen teil.

Fackelmarsch der Neonazis am 13.02.09 in Dresden Ku-Klux-Clan in schwarz.

Fackelzug der Neonazis am 13.02.09 in Dresden Als erster Banner ein Anti-„Geh Denken“-Spruchband.

Fackelzug der Neonazis am 13.02.09 in Dresden Kein Kommentar.

Fackelzug der Neonazis am 13.02.09 in Dresden

Fackelmarsch der Neonazis am 13.02.09 in Dresden

Fackelzug der Neonazis am 13. Februar 2009 in Dresden

Fackelzug der Neonazis in Dresden

Neonazis Dresden, 13.2.09 Nein, das ist …

Neonazis Dresden, 13.02.09 … kein schlechter Halloween-Scherz, sondern …

Neonazis Dresden, 13.02.09 … Realität in Dresden.

Fackelzug der Neonazis am 13. Februar 2009 in Dresden (Alle Fotos: UvS und GM)

Der Reporter des Stern hatte übrigens ebenfalls den Eindruck, dass die Polizei mit den Nazis recht wohlwollend verfahren ist – mit der Folge, dass die Nazis immer mehr Gefallen daran finden, nach Dresden zu kommen. Sein lesenswerter Artikel hier.

Gott sei Dank gab es am vergangenen Wochenende aber auch Erfreuliches in Dresden erleben: Das Bündnis „Geh Denken“ hat über 10.000 Leute mobilisiert, die mit Phantasie, Mut und Kreativität gegen die Nazis und für eine demokratische und offene Gesellschaft demonstrierten – allerdings ohne Unterstützung durch CDU und FDP, denen offensichtlich die Nazis lieber sind als aufrechte Demokraten. Es war ein buntes und fröhliches Fest auf dem Theaterplatz – mit viel Musik: Banda Communale, Sebastian Krumbiegel, Rolf Stahlhofen, Curse und Escola Popular.

Geh Denken, Dresden, 14.02.09 Auf dem Weg zum Theaterplatz.

Geh Denken, Dresden 14.02.09 Fröhliche Menschen auf der Bühne: die Schauspieler Wolfgang und Stephanie Stumph mit UvS.  „Es wäre schön, wenn auch Ministerpräsident Stanislaw Tillich hier auf der Bühne stünde und sehen könnte, wie viele Leute hier sind“, sagte Vater Stumph.

Geh Denken, Dresden, 14.02.09 Nach der Jamsession die Fotosession: Escolar Popular, eine Samba-Band aus der evangelischen Kirche (ja, das gibt’s!), mit Curse.

Weitere Fotos hier, Berichte in verschiedenen Medien bei Geh Denken.

Ein aussagekräftiges Video bietet Spiegel-Online an: hier clicken.

Widerstand gegen die Nazis macht auch Spaß! 🙂 Bis nächstes Jahr also zum 13. Februar in Dresden
UvS

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Auf nach Dresden!

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Foto: Geh Denken

Am 14. Februar wollen Tausende Rechtsextremisten und Neonazis aus ganz Europa nach Dresden kommen und in der Stadt aufmarschieren. Die Gründe:

www.netz-gegen-nazis.de

Das muss verhindert werden, haben sich engagierte Demokraten gesagt und das Bündnis Geh Denken gegründet. Unterstützt werden sie von zahlreichen Künstlern, Politikern, Kirchenleuten und anderen Persönlichkeiten des öffentlichen Lebens. Die Demos beginnen am 14. Februar um 13 Uhr. Zuvor lädt die Jüdische Gemeinde um 10 Uhr zu einem Schabbat-Gottesdienst in die Synagoge ein. Um 16 Uhr findet auf dem Theaterplatz vor der Semperoper die große Kundgebung statt – mit viel Musik: Sebastian Krumbiegel (Die Prinzen), Rolf Stahlhofen (Söhne Mannheims) und Curse sind die Top-Acts.

Alle wichtigen Informationen auf der Homepage von Geh Denken:
www.geh-denken.de.

img_7388 Foto: UvS
Rapper Smudo von den Fantastischen Vier und Jörn Menge von Laut gegen Nazis unterstützen Geh Denken.

img_7391_2 Foto: UvS
Die Schaupielerin Stephanie Stumph ist ebenfalls dabei.

Ich bin ab 16 Uhr auf der Hauptbühne aktiv und hoffe: Wir sehen uns in Dresden!
UvS

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