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Die dritte Generation nach der Shoah

Podiumsdiskussion/Panel:
http://www.br.de/mediathek/video/sendungen/denkzeit/die-dritte-generation-nach-der-shoah-100.html

Denkzeit2

 

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„Auschwitz vergessen? – Nein, niemals!”

"Antisemitismus ist eine Sünde gegen Gott und die Menschheit"

„Antisemitismus ist eine Sünde gegen Gott und die Menschheit“ (Papst Johannes Paul II.) –  fotografiert in Oswiecim am 26.01.2013

Zum 68. Jahrestag  der Befreiung von Auschwitz und 80 Jahre nach dem Beginn der NS-Diktatur stellt sich die Frage: Wozu uns erinnern? Um ein anderes, besseres Leben zu führen.

In der Thora haben die Vorväter eine Erkenntnis formuliert, die Juden wie Christen zu einer sprichwörtlichen Redewendung geworden ist: »Bis ins dritte und vierte Glied«, heißt es im 2. Buch Mose, wirke die Schuld einer Generation nach.

Dieses Wissen der Alten wird heute von Gedächtnisforschern und Psychologen bestätigt: Über vier Generationen hinweg erstreckt sich das kollektive Gedächtnis, vier Generationen werden durch das, was geschehen ist und geschieht, zusammengeschmiedet – ob sie wollen oder nicht. Um es etwas salopp auszudrücken: Noch die Urenkel müssen das ausbaden, was die Vorfahren angerichtet haben. Oder was ihren Vorfahren angetan wurde.

Wie wichtig eine Erinnerungskette über Generationen hinweg sein kann, haben im März 2011 die Bewohner des Dorfes Aneyoshi im Norden Japans erfahren. Vielerorts stehen an der Küste Steine mit uralten Inschriften, die vor einem Tsunami warnen, doch die Mahnungen der Ahnen waren vergessen worden. Als der Ernstfall eintrat, mussten Tausende sterben, weil sie nicht wussten, wie sie sich verhalten sollten.
In Aneyoshi hingegen starb niemand, denn das Dorf war geschlossen auf Anhöhen geflüchtet. Die Bewohner konnten sich retten, weil jeder die Mahnmale kannte – sie wurden in der Schule durchgenommen.

In der vierten Generation würden die Erinnerungen an ein grausames Ereignis verblassen, hat ein japanischer Katastrophenforscher die Ignoranz seiner Landsleute gegenüber den Erfahrungen der Vorfahren erklärt.

Auf den hiesigen Schulbänken sitzen heute Jungen und Mädchen der vierten Generation nach den grauenvollsten Ereignissen der Menschheitsgeschichte, für die ein Ort zum Symbol geworden ist: Auschwitz. Die Befreiung des von Deutschen errichteten Konzentrations- und Vernichtungslagers, in dem über eine Million Menschen ermordet wurden, jährt sich am 27. Januar zum 68. Mal.

Der Jahrestag fällt in eine Zeit, in der die letzten Augenzeugen sterben, und Forderungen wie »Vergesst Auschwitz!« oder Aufrufe, »endlich einen Schlussstrich zu ziehen«, weil die Zeit des Nationalsozialismus »so lange her« sei, überall zu lesen und zu hören sind.

Dass die meisten Deutschen vom Juden- und Polenmord nichts mehr wissen wollen, ist psychologisch gesehen verständlich – es ist einfacher, es zu verdrängen, als sich einzugestehen: Ja, auch meine Eltern und Großeltern haben mitgemacht oder zugeschaut.

Aber ist das wirklich schon so lange her? Was sind 70 Jahre? Es kann sein, dass für die einen 70 Jahre vergangen sind und sich auf ein paar Seiten im Geschichtsbuch reduzieren. Für die anderen ist es nur eine Sekunde. Eine Sekunde, dann haben sie die Bilder von damals wieder vor sich: schonungslos scharf, erbarmungslos ewig. Und diese Sekunde währt dann ein ganzes Leben. Auch im Leben der Nachkommen.

Schlussstrich ziehen? Warum kommt niemand auf die Idee, einen Schlussstrich unter, sagen wir, den Dreißigjährigen Krieg zu fordern? Aber was werden die Folgen dieses Ver- und Beschweigens sein? Wird es nicht dazu führen, dass sich die Prophezeiung des Schriftstellers Manès Sperber erfüllt? »Auf den Schulbänken sitzen die Leichen des kommenden Krieges«, schrieb Sperber: »Nichts von dem, was sie lernen, wird sie befähigen, sich vor diesem Schicksal zu bewahren.«

Sind wir es der vierten Generation nicht schuldig, alles zu tun, damit sie nicht zu den Leichen des kommenden Krieges werden? Das Vermächtnis von Jerzy Pazdanowski kann uns eine Hilfe sein. »Auschwitz vergessen? Nein, niemals!«, rief er aus an dem Ort, an dem sein Bruder Michal ermordet worden war. Auschwitz sei nicht nur ein »Ort des Todes«, so der Überlebende des KZ Dachau, sondern auch ein »Ort des Lebens«. Mit einer Botschaft: »Ein anderes, besseres Leben zu führen.«

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Heimat, Heimweh, Heimsuchung …

… lautet der Titel einer Anthologie, die jetzt im Karin-Kramer-Verlag erschienen ist.

Heimat, Heimweh, HeimsuchungKaum ein Roman, der nicht davon handelt: „Woher komme ich?“ Und: „Wohin gehe ich?“ Sei es die Bibel oder die Buddenbroocks – erzählt wird die gleiche Geschichte: die Vertreibung aus dem Paradies. Seit Menschengedenken haben sie Heimweh, lt. Brockhaus ein „durch unfreiwillige Distanz von der vertrauten Umgebung bedingtes Mangelgefühl“, und oft muss man dafür nicht einmal verreisen oder ins Exil gehen.

Um das Weh mit der Heimat geht es in dieser Anthologie, nicht um 2000 Jahre Deutschland (Varusschlacht), 60 Jahre Bundesrepublik und auch nicht um 20 Jahre Mauerfall. Für die Autorinnen und Autoren ist Heimat keine geographische Kategorie, für manchen aber das Gegenteil von Fremde und Entfremdung, die Summe der Erinnerungen aus einer Zeit des Vertrauens an einem Ort der Geborgenheit. Erinnerungen an etwas, das es vielleicht nie gegeben hat …

Einer der Herausgeber der Anthologie ist Bachmann-Preisträger Karsten Krampitz.

Ich habe für diese Anthologie einen kleinen Text beigesteuert: Großvater war kein Seeräuber – Eine Odyssee von der Sieg an die Weichsel. Hier der Anfang:
Als ich kürzlich im Kreis Krakauer Freunde auf die Frage, wo ich denn eigentlich geboren sei, wahrheitsgemäß antwortete: „Im Siegerland“, wurde mir etwas pikiert entgegnet, das müsse ich  wirklich nicht betonen, dass ich im Siegerland geboren sei. Das wisse man auch so, dass Deutschland den Krieg gewonnen habe. Letztendlich und eigentlich zumindest. Ich hatte keine Lust, zum tausendsten Mal das schwierige deutsch-polnische Verhältnis zu erörtern und erklärte knapp: „Das Siegerland ist eine Provinz, die nach einem Fluss – der Sieg – benannt ist und in der Nähe von Köln liegt.“

Wie die Geschichte weitergeht: im Buch oder zum Beispiel live am Montag, 11. Januar, um 13 Uhr oder um 17.30 Uhr in Königs Wusterhausen. Die Zuhörerinnen und Zuhörer bei der Premiere am vergangenen Sonntag im wunderbaren Örtle Ödenwaldstetten haben sogar das eine oder andere Exemplar erworben … Das soll was heißen im Schwäbischen!

Es grüßt – immer noch aus dem Schwäbischen
UvS

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If your grandfather was a murderer … – Interview für BBC World Service

Wenn der Großvater ein Mörder war … Dieser Frage sind Kristine Pommert und Award-winner Michael Ford von BBC World Service nachgegangen – hier in Krakau und speziell in unserem Viertel Kazimierz, in dem einst die meisten der rund 60.000 Krakauer Juden lebten. Das Ergebnis unserer langen Gespräche ist nun weltweit und auch hier zu hören – in einer 28-minütigen Hörfunk-Reportage.

Interview BBC: If your grandfather was a mass murderer, could you handle the guilt and shame?

Mein Englisch hört sich zwar an wie das von Lothar Matthäus oder Berti Vogts – but: I did it 🙂 Und vor allem: Kristine and Mike did a great job!

Weitere Informationen zur BBC-Sendereihe Heart and Soul hier.

Synopsis

The Hebrew scriptures say that the sins of the fathers will be visited upon the children to the third and fourth generations.

For German journalist and writer Uwe von Seltmann, this has been a lifelong painful reality.

Challenged by an unknown Jewish man at a synagogue in Krakow in Poland, he began to research his grandfather’s Nazi past – and discovered that he had participated in one the greatest atrocities of the Holocaust.

Join Michael Ford as he discovers how Uwe has dealt with the guilt and shame handed down to him by his grandfather – and how it happened that he fell in love with Gabi, the Polish granddaughter of a man who was killed at Auschwitz concentration camp.

Uwe von Seltmann talking to Michael Ford at Remuh synagogue in Krakow, where his story began

Thank You, Kristine and Mike, for a great time together! You really have heart and soul!
UvS

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General Sikorski – war es Mord?

Filmplakat

Gestern Abend war in Krakau Premiere für einen Kinofilm, der in Polen heftig diskutiert wird: Generał. Ist der polnische General und Präsident der Exilregierung, Sikorski, im Juli 1943 in Gibraltar wirklich bei einem Flugzeugabsturz ums Leben gekommen oder war er zuvor ermordet und tot ins Flugzeug gesetzt worden? Wenn ja, von wem? Von den Sowjets, von eigenen Leuten oder von den Briten? Der Warschauer Historiker Dariusz Baliszewski hat Dokumente entdeckt, die die Mordtheorie erhärten.

Interessante Hintergrundinformationen bei Spiegel-Online: Wie starb General Sikorski?

Ich habe bei dem Film als Episodist mitgewirkt und einen Gestapomann gespielt. Die Dreharbeiten für diese Szene fanden in Krakau statt – nur wenig entfernt hatte 1942/43 mein SS-Großvater sein Büro als sogenannter Kulturreferent beim Höheren SS- und Polizeiführer für das Generalgouvernement. Zum ersten Mal in meinem Leben habe ich in einer Uniform gesteckt – eine eindrückliche Erfahrung: Man fühlt sich plötzlich als Herr über Leben und Tod. Und wieder habe ich mir die Frage gestellt: Wie hätte ich mich in der NS-Diktatur verhalten?

Sikorski-Film: In der Maske

In der Maske

Mit Dienstwagen

Mit Dienstwagen

Im Wagen

Im Wagen

Die Verhaftung

Die Verhaftung

Im Motorrad

Im Motorrad

Mit Regisseurin Anja Jadowska

Mit Regisseurin Anja Jadowska

Feierabend

Feierabend

Einen ganzen Tag lang Dreharbeiten für eine Minute Film. Aber die Crew war klasse und der Film ist sehenswert. Demnächst auch als sechsteilige Doku-Fiction im polnischen Privatsender TVN.

Viele weitere Fotos, Informationen in englischer Sprache und ein Trailer auf der Homepage zum Film.

Zum Abschluss der berühmte rote Teppich:

Der rote Teppich

Fotos: Gabriela Maciejowska und Paul von Seltmann

Es grüßt aus dem sonnigen Krakau
UvS

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